Symptome des Multiplen Myeloms

Myelomzellen produzieren Stoffe, welche knochenabbauende Zellen, die Osteoklasten, stimulieren und die Osteoblasten (knochenaufbauende Zellen) hemmen und lösen so bei vielen Patienten eine Resorption (Auflösung) der Knochensubstanz aus. Wenn mehr als 30 % des Knochens diffus verschwunden sind, dann besteht das Bild einer Knochenschwäche (Osteoporose). Erfolgt eine lokale Knochenauflösung, erscheint der Schaden als lytische Läsion (dunkler Fleck) in einer Röntgenaufnahme oder einer Computertomographie (CT) und vermittelt den Eindruck eines “Loches” im Knochen. Diese Löcher verringern die Knochenstabilität und führen zu Knochenbrüchen. Sie stellen sich bei einer kernspintomographischen Untersuchung als “fokale Läsionen” dar. Deshalb sind Knochenschmerzen und/oder -brüche oft die ersten bemerkbaren Symptome beim MM (Tabelle 1).

Wenn Knochensubstanz aufgelöst wird und die sog. Osteolysen entstehen, wird vermehrt Kalzium freigesetzt. Daraus können hohe Kalziumkonzentrationen im Blut resultieren. Dieser Zustand wird Hyperkalzämie genannt. Die Hyperkalzämie kann gefährlich sein und z. B. ein Nierenversagen oder starkes Unwohlsein auslösen.

Durch die Vermehrung maligner Plasmazellen im Knochenmark können die blutbildenden Stammzellen, welche rote und weiße Blutkörperchen im Knochenmark produzieren, verdrängt werden. Dies kann zu Anämie (Blutarmut) mit verstärkter Erschöpfung führen. Das Immunsystem ist durch einen Mangel an gesunden weißen Blutkörperchen (“Leukozyten”) geschwächt (“Leukopenie”). Dies verstärkt die Infektionsgefährdung des Patienten. Eine Verminderung von Blutplättchen (Thrombozytopenie), die vermehrte und spontane Blutungen zur Folge haben kann, ist ebenfalls durch die Vermehrung von malignen Plasmazellen mit Verdrängung von Knochenmark bedingt.

Letztendlich wird das MM lebensbedrohlich, wenn die Abwehrkräfte des Patienten so stark geschwächt wurden, dass der Körper einer Infektion – wie z.B. einer Lungenentzündung – eventuell trotz Antibiotikatherapie erliegt. Aufgrund der Immunschwäche der MM-Patienten treten auch vermehrt virale Infektionen, wie z. B. die Gürtelrose, auf. Eine verringerte Blutbildung und vermehrte Eiweißproduktion können auch zu anderen lebensbedrohenden Zuständen führen, wie z.B. Schlaganfall, Herz- oder Nierenversagen. Auch können Nebenwirkungen einer Behandlung mit Zytostatika oder Bestrahlung manchmal lebensbedrohend sein. Hierüber wird der Arzt vor einer Therapie aufklären. Die Behandlung verbessert die klinische Situation bei etwa 80 – 95 % der Patienten. Nach erfolgreicher Therapie und Erreichen einer Remission ist ein Rückfall (Rezidiv) jedoch fast immer zu erwarten.

Klinisches Zeichen bzw. SymptomPatienten (%)
Knochenschmerzen inkl. Frakturen65 %
Anämie48 %
Fakturen, die einer orthopädischen oder chirurgischen Therapie bedurften10 %
Schwere bakterielle Infektion5 %
Zentralnervöse Symptome3 %
Periphere Neuropathie 3%
Diagnose infolge einer Routineuntersuchung25 %

Tab. 1: Klinische Zeichen und Symptome zum Zeitpunkt der Diagnose von 1.700 konsekutiv untersuchten Patienten mit Multiplem Myelom an der Medizinischen Klinik und Poliklinik V der Universität Heidelberg im Zeitraum 1992–2008. Mehrfachnennungen möglich.