Chromosomen-Anomalien

Untersuchungen haben gezeigt, dass die krankhaften Plasmazellen beim MM durch eine Vielzahl von genetischen Veränderungen gekennzeichnet sind. Typische Veränderungen sind z.B. der Verlust eines oder mehrerer Chromosomen, die das Erbgut tragen oder auch nur eines Chromosomenteils. Hierbei spricht man von Deletion. Aber auch sogenannte Zugewinne an bestimmten Chromosomen werden regelmäßig beobachtet. Manchmal werden Teile zweier Chromosomen gegeneinander ausgetauscht. Das wird als Translokation bezeichnet. All diese Chromosomenveränderungen werden durch die sogenannte FISH-Analyse erkannt, bei der mit Fluoreszenzfarbstoff markierte Chromosomenabschnitte als Farbsignale zu erkennen sind. Hierdurch können ganze Chromosomen bis hin zu kleinsten Chromosomenabschnitten dargestellt werden.

Typische Veränderungen beim MM können z.B. sein:
• Deletion 13. Es liegt der Verlust von Material am Chromosom 13 vor. Bei 30 Prozent der Patienten liegt am Chromosom 13 eine Veränderung vor.
• Deletion 17p53. Hier handelt es sich um einen Verlust einer bestimmten Region auf Chromosom 17.
• t(11;14) bzw. Translokation zwischen Chromosomen 11 und 14
• t(4;14) bzw. Translokation zwischen Chromosomen 4 und 14

Ein Teil der beobachteten Chromosomenveränderungen ist als prognostisch relevant einzuschätzen, und man kann mittlerweile auch schon, in Kombination mit dem ISS-Score, eine Einteilung in Niedrigrisiko-, Standardrisiko- sowie Hochrisikopatienten vornehmen. Jedoch ist wichtig anzumerken, dass diese Risiken eine statistische Aussage vornehmen, so dass etwa eine Hochrisikokonstellation gemäß der FISH-Analyse nicht zwingend mit einem schlechteren Ansprechen auf die verabreichte Chemotherapie oder mit einem geringeren Gesamtüberleben verbunden sein muss. Neuere Substanzen wie Bortezomib oder Lenalidomid können erwiesenermaßen, alleine oder in Kombination mit anderen Wirkstoffen, die potentiell negativen Auswirkungen bestimmter Chromosomenveränderungen überwinden.