Eiweisausscheidung

Im Blut befinden sich über hundert verschiedene Eiweißstoffe (Proteine). Sie dienen zum Transport von Metallen, Fetten, Vitaminen und Arzneimitteln. Außerdem erfüllen sie auch die Aufgabe von Enzymen, Enzymblockern, Gerinnungsfaktoren, Abwehrstoffen und Hormonen. Myelomzellen produzieren ein monoklonales Immunglobulin (Protein), welches als monoklonaler Gradient (M-Gradient) in der Elektrophorese von Blut und / oder Urin nachweisbar ist. Je mehr Eiweiß (leichte Ketten, besonders kleine Paraproteine) über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden wird, desto häu- 21 figer kommt es durch Ablagerungen zur Schädigung der Nierenfunktion. Die Ausscheidung von Eiweiß im Urin (Proteinurie) ist ein wichtiges, aber unspezifisches Zeichen für eine Nierenerkrankung. Allerdings kann die Überprüfung der Konzentration von leichten Ketten im Serum bereits zeitiger auf eine mögliche Gefährdung der Nierenfunktion hinweisen. Die Ursache für eine Nierenschädigung ist entweder eine erhöhte Durchlässigkeit der Harnfilter, eine verminderte Rückresorption von Eiweiß in den Nierenkanälchen oder eine kombinierte Störung. Die diffuse Ablagerung des Myelomproteins führt früher oder später zu einer Störung der Nierenfunktion (Myelomniere) bzw. zur Amyloidose. Andere Faktoren wie Infektionen, Hyperkalzämie und nierenschädigende Medikamente können ebenfalls die Nierenfunktion verschlechtern. Deshalb sollten bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion Medikamente, die die Niere zusätzlich schädigen können, möglichst vermieden werden. Sind die Nieren bereits stark geschädigt, kann das weitere Voranschreiten der Zerstörung – auch bei guter Einstellung der Grundkrankheit – nur noch verlangsamt, aber nicht mehr aufgehalten werden. Das Gesamteiweiß im Urin ist zur Verlaufskontrolle nutzbar, jedoch ist in der Primärdiagnostik immer eine Differenzierung zwischen Leichtketten und Albumin im Urin unerlässlich. Die Leichtkettenausscheidung ist eine direkte Folge der Produktion durch die Myelomzellen. Als eine Form der Therapie der Nierenfunktionsstörung hat sich die Zufuhr von Flüssigkeit (mind. 2 Liter/ Tag), um die Nieren zu spülen, bewährt (nach Rücksprache mit Ihrem Arzt).

Die Abhängigkeit der Eiweißausscheidung vom Stadium der Erkrankung ergibt sich wie folgt:
Stadium I: Leichtketten (M-Komponente) im Urin < 4 g/24 h
Stadium II: Leichtketten (M-Komponente) im Urin 4 – 12g/24h
Stadium III: Leichtketten (M-Komponente) im Urin > 12 g/24 h

Verminderung der GesamteiweiSS-Konzentration:
Eiweißverluste bei
• Magen-Darm-Entzündungen bzw. Krebs im Magen-Darm-Trakt
• Nierenfilter-Entzündungen
• Verbrennungen
• Eiweißverlustniere

mangelnde Eiweißbildung bei
• Malaria
• Leukämie, M.Hodgkin
• chronischer Lebererkrankung
• Antikörpermangelsyndrom (angeboren) 22 Erhöhung der GesamteiweiSS-Konzentration: Wasserverlust bei
• Durchfall
• Infektionskrankheiten Überschießende Produktion durch
chronisch entzündliche Erkrankungen
• Knochenmarkerkrankungen